Sonntag, 1. April 2012
Angst und Liebe - eine diammetrale Beziehung
Hatte ich nicht letztens erst gesagt, es wird bald Sommer? Freunde der Liebe, heute fällt es mir schwer daran zu glauben. Auch wenn ich weiß, dass auch das sich wieder ändern wird – schließlich ist nichts, alles wird – ist Vertrauen etwas, das mir der Stein, dem ich der Sysiphos bin. Noch. Oder wieder.

Krise kann uns erinnern. Erinnern daran, dass bei allem Denken, Verstehen und Analysieren doch das Fühlen letztlich die Oberhand behält. Dass es Gefilde in uns gibt, in die wir abtauchen ganz gegen unseren eigenen Willen. Wir verbringen viel Zeit damit uns Konstrukte zu errichten, Gedankengebäude die wir dekorieren, ausbauen und verschönern, die uns vor der Ungewissheit und dem Unbehagen schützen sollen. Auch in diesen Gebäuden steht er: Der Raum der Blindheit.

Wir sind so beschäftigt damit die wohl eingerichteten Räume unseres Gebäudes zu hegen und zu pflegen, dass wir vergessen. Dass es einen inneren Raum gibt, der (je nach Weltsicht) zurecht unbesichtigt bleibt. Das Problem entsteht dann, wenn wir plötzlich in diesen Raum hineingedrängt werden und uns selbst darin einsperren. Da viele, wenn nicht fast alle Menschen, sich vor dem Ungewissen fürchten, ist dieser Raum ein unliebsamer Ort. Wieviele Untaten sind wohl schon begangen worden, nur um sich mit diesem Raum, seiner bloßen Existenz, seinem Inhalt nicht beschäftigen zu müssen? Sich den Schmerz nicht spüren zu lassen?

Mein Raum und ich kommen uns gerade näher. Ich bin dorthin begleitet worden, habe die Tür dann geöffnet und selbst hinter mir geschlossen. Nun stehe ich – wie ich es mir vorstelle – in einem Ballsaal aus Schmerz und Angst und Trauer. Wie ich damit umgehen soll? Keine Ahnung. Täglich, nehme ich an.

Bei all der Dunkelheit sehe ich doch einen Glimmer in den noch dunklen Spiegeln. Sehe etwas funkeln und hoffe, es ist Erkenntnis. Hoffe es ist Liebe. Hoffe es ist das Aufgeben. Das sich in den Strom gleiten lassen. Hoffe er wird größer, dieser Glimmer. Wenn ich Glück habe, steht das Aufgeben am Ende dieses Raumes und umarmt mich, sobald ich ihn durchschritten habe. Wenn ich den Lichtschalter gefunden habe auf dem steht „was es zu lernen galt“.

Wie viele von uns, sehne auch ich mich danach weniger Angst zu haben. Viel zu leben und wenig zu fürchten. Alles gehen lassen zu können. Oft kann ich das auch. Ab und an tritt dann aber etwas in mein Leben, bei dem ich entgleise. Weil es so wichtig ist, so groß scheint, dass ich Angst bekomme. Und das ist nicht die Angst vor dem Sprung vom 3 Meter Brett. Sie sitzt tiefer. Ist unheimlich und übermenschengroß. Im Moment, in dem man eine solche Angst bestätigt sieht, ist es schwer der Realität nur noch einen Funken Aufmerksamkeit zu schenken. Die Bedrohung ist plötzlich überall.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich geschrieben, mutet Euch Euch selbst und anderen zu. Auch ich habe das versucht. Ängstlich, wie ich nun feststellen muss, aber doch. Ich habe versucht meine Angst zu lindern. Im Außen. Ist schiefgegangen. Quelle surprise. Das ist einer dieser Momente, in dem Wissen leider so gar nicht helfen will.

Es kehrt also nun die Stille nach dem Sturm sich um mein Haus. Es ist unbehaglich. Und das sehr. Ich werde versuchen mich zu halten und aufzuwärmen. Werde versuchen mutiger zu sein. Zuversichtlich und fest. Und fließend. Üben.

Demut.
Dankbarkeit.
Milde.

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