Freitag, 20. April 2012
"Once I fell in love with everything."
Mit diesem poetischen Satz beginnt Stefan Merill Block das Buch, das ich gerade lese. Es ist wunderschön und erzählt, wie sich jemand dem Vergessen hingibt. Auch "The eternal sunshine of the spotless mind" dreht sich darum, etwas zu vergessen.

Ist es nicht interessant, dass Vergessen so etwas Poetisches hat (denn mit diesen beiden Beispielen ist es ja nicht getan - ich sage nur "blissfull oblivion" - umsonst ein Idiom? Ich glaube nicht.)?

In dem Buch, wird eine alternative Welt kreiert, in die man durch einen unscheinbaren Eingang eintritt und all seine Erinnerungen draußen lässt. Eine utopische Welt, in der nicht einmal ein Kurzzeitgedächtnis existiert. Man verliebt sich und sobald die Begegnung endet, wird von beiden vergessen, dass es so war. Vielleicht begegnen sich die beiden 15 Minuten später wieder und verlieben sich erneut. Vielleicht aber auch nicht. Auch ok.

Es hat etwas Verführerisches, dieses Vergessen. So schwer ich es finde, mir das wirklich vorzustellen, so sehr erinnert (hö hö) es mich an meinen erst gestern geteilten Traum ein Wind zu sein.

Ihr merkt es, Freunde der Liebe, die Dame sucht nach Erlösung. Ein Konzept, das mir bis vor einiger Zeit zutiefst suspekt war. Ein Gefühl, nachdem ich mich aber sehne.

Im Geiste der Liebe, des Mutes, der Entwicklung kann ich mich nur der Tatsache stellen, dass mir all meine Kohärenz, meine Contenance und Beobachtungsgabe an dieser Stelle keinen Dienst mehr leisten können. Unter anderem deshalb, weil mir 2 von 3 entglitten sind. Es ist Zeit sich geschmeidig zu machen. Sich nicht mehr gegen die Welle zu stemmen. So die Chance zu wahren darin nicht umzukommen.

Wie immer, liegt die (Er)Lösung (ja, ja, die Religion weiß es seit Jahrtausenden) im Loslassen. Los-Lassen. Wie immer, ist das selbst für Veteranen ein hochgestecktes Ziel. "Blissfull oblivion"... Eine Wunderpille. So ein Quatsch. Einhörner haben bei mir leider Hausverbot. Wie schön die Vorstellung von ihnen auch immer sein mag.

Auch wenn Vergessen (due to Menschsein) keine Option ist, will ich es dennoch (due to Personsein) üben (wollen). Und wenn nicht vergessen, dann wenigstens ein Lassen. Es-Sein-Lassen. Ver-Lassen. Liegen-Lassen. Leben-Lassen. Los-Lassen eben.

Ich erinnere mich an einen Tag in der Stadt vor einigen Jahren. Lief nach Hause. Hörte Musik. Sang vor mich hin. Mit einem Mal war ich verbunden. Mit allem. Mit allen. Verliebt in die Welt und jedes Wesen darin. Ich habe das große Glück, dass mir das immer wieder mal passiert.

Deswegen mache ich mich jetzt einfach auf die Suche. Nach dem nächsten Mal. Bin dann mal weg. Macht's gut. Und wenn wir einander vergessen, ist das vielleicht auch ok. Wer weiß schon, was in 15 Minuten passiert?

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